“Verlass deine Komfortzone! Erst danach fängt das Leben an!” wird uns von einer steigenden Anzahl von Erfolgsexperten entgegengerufen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann das nicht mehr hören.

Die Aussage “Verlass deine Komfortzone und mach endlich aus deinem Leben das Maximum, was du machen kannst”, heißt doch nichts anderes, als du bist wertlos, so wie du bist.” Und diese erschreckende Botschaft, die uns nicht nur von Beratern, sondern aus allen Ecken unserer westlichen Gesellschaft entgegengerufen wird, ist, so meine ich, ein wesentlicher Grund für die steigenden Burnout-Raten. “Du bist nicht genug”, lautet das Urteil. “Streng dich an!” ist der Befehl. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir nie genug. Denn sobald wir ein Ziel erreicht , uns eine weitere Fähigkeit zu eigen gemacht haben, müssen wir weiter.

Hier wurde etwas ins Negative verkehrt, was seinen Ursprung im Ziel der Ermunterung und Ermutigung hatte. Menschen sollten ermutigt werden, ihre Persönlichkeit zu leben und nicht nur wie in einer Herde einem Leithammel nachzutrotten.

Aber wie alles, was wir über die Maßen konsumieren, schadet uns auch dieser Gedanke. Heute wird er scheinbar zur Notwendigkeit erklärt und dabei wird übersehen, dass die meisten Menschen allein durch diesen konstanten Druck schon lange nicht mehr in ihrer Komfortzone sind.

Komfortzone ist ein ursprünglich positiv besetztes Wort

Es bedeutet, dass wir uns in unserem natürlichen Habitat und “Modus vivendi” befinden. Die echte Komfortzone hat also nichts mit “sich gehen lassen” und “alle Viere von sich strecken” zu tun, sondern mit einem Zustand, in dem wir uns ganz natürlich lebendig, im Vollbesitz unserer Kräfte, inspiriert und neugierig fühlen. Denn seien wir uns doch ehrlich: wenn Sie in einer Arbeits- oder Beziehungssituation sind, die Sie nicht glücklich macht und Sie trotzdem darin bleiben, weil Sie diese Situation eben kennen, sind Sie doch nicht in einer “Komfortzone”, oder? Dann sind Sie in einer Zwangslage. In einer Situation, die Kafkas’ Maus ähnelt, die vor der Katze weg und in die Falle läuft. An einer solchen Situation ist nichts gut. Und sicher nichts komfortabel.

Der Aufruf sollte hier also lauten: Such deine Komfortzone! Suche die Art zu leben, die dich stark und lebendig, neugierig und inspiriert fühlen lässt. Eine Art zu leben, für die du dich selbst lieben kannst, für die du dir selbst Respekt zollst. In der du nicht mehr nur gerade so Kraft für dich selbst, sondern auch für andere hast!

Die Komfortzone ist bei jedem Menschen anders, weil jeder andere Talente und Neigungen und seinen eigenen Rhythmus hat, mit dem er sich durch die Welt bewegt und mit dem er diese erfährt. Für mich zum Beispiel, liegt die Komfortzone im Feld der Möglichkeiten – dort, wo es wenig Sicherheiten gibt und wo deshalb alles möglich ist. Sobald ich im sicheren Hafen bin, sobald etwas läuft, werde ich unruhig und setze Segel, um auf offener See wieder den Wind der Möglichkeiten zu spüren. Das inspiriert mich, da fühle ich mich vollkommen in meiner Kraft, da fliegen in meinem Geist die Funken, da fühle ich die Schaffenskraft.

Für jemand anderen bedeutet Komfortzone genau das Gegenteil: erst in der Sicherheit kann er oder sie die eigene Kraft entfalten, fühlt er oder sie sich lebendig und inspiriert. Und für die nächste ist es wieder ganz anders. Es gibt so viele Komfortzonen wie Menschen.

Was ist Ihre? Wie sieht Ihre Komfortzone aus? Wie fühlt Sie sich an? Wann fühlen Sie sich einfach nur gut, mit allem Leben verbunden, ja glücklich?

Ganz nebenbei gesagt: genau in dieser Zone wartet Ihr persönliches “Charisma” auf Sie.

 

 

 

 

 

This post is also available in: German