Vor langer Zeit – es müssen 20 oder mehr Jahre sein – hatte ich eine Vision von meiner idealen Zukunft: ich lebe in einem Haus am Waldesrand, mit Blick auf dichte, wilde Vegetation, etwas abgelegen, ideal um mich meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schreiben, hinzugeben.

Dazwischen liegen viele Ortswechsel, von Wien nach Mailand, nach Monte Carlo und zurück nach Wien. Das Leben hat sich mit den Jahren beschleunigt, ist immer dichter geworden – Beruf, Karriere, Mutterschaft, Ehe, ständig neue Projekte, kaum Zeit zu schreiben, immer unterwegs. Und dann… – bin ich plötzlich, wo ich sein wollte. In einem Haus am Waldesrand, mit Blick auf dichte, wilde Vegetation, etwas abgelegen, ideal um mich meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schreiben, hinzugeben. Seit drei Jahren ist diese Vision Realität. Wahr. HEUTE erst habe ich diese Wahrheit wahr genommen.

Heute bin ich mir bewusst geworden, dass sich – wieder einmal – eine Vision, die ich einmal für mich als ideal erachtet hatte, realisiert hat. Ohne gezielte Planung, aber mit dem Bewusstsein in jedem Moment, was für mich richtig und wichtig war. Automatisch hat mich mein Weg hierher gebracht. Und heute erst bin ich mir bewusst geworden, dass ich viele Verhaltensweisen, die in früheren Lebensphasen richtig und wichtig waren, hier nicht mehr brauche. Dass ich Seiten leben darf, die ich zurückgestellt habe. Dass ich jetzt genau dort bin, wo ich in meiner ganzen Fülle immer sein wollte.

Das Verblüffende ist, dass sogar ich, die ich dachte, mein Leben immer in vollem Bewusstsein zu leben, erst lernen musste, aus der Gewohnheit der Beschleunigung der letzten Jahrzehnte auszusteigen, um wahrzunehmen, dass ich dort angekommen bin, wo ich immer sein wollte! Auch ich bin dem Leistungsgedanken – dem Immer-Mehr, dem Immer-Schneller, dem Immer-Besser anheim gefallen! Mich nun bewusst zu entschleunigen, gegen das Credo des konstanten Selbst-Drucks, gegen den Ruf der „Komm aus deiner Komfort-Zone-Prediger“!, bedarf tatsächlich eines Umlern-Prozesses.

Was ich damit sagen möchte: oft sind wir in einer idealen Situation und merken es gar nicht, weil wir in Gewohnheiten stecken, die unsere Wahrnehmung in falsche Richtungen lenken. Niemand ist davor gefeit und das einzige, das uns hilft, ist immer wieder INNEHALTEN.

Anzuerkennen, dass das Erreichen persönlicher Ziele nicht schwer sein muss – nein, ganz im Gegenteil das Natürlichste und Leichteste überhaupt sein kann, wenn man seiner eigenen Stimme folgt, ist ein bewusst gesetzter Akt persönlichen Mutes. Ich halte mich dabei gerne an den Satz, den Paolo Coelho in seinem Buch „Auf dem Jakobsweg“ so schön formuliert hat: „Wir kommen immer dort an, wo wir bereits erwartet wurden.“ 

Das sollte uns jeden Druck nehmen: wo wir in diesem Moment sind, ist genau dort, wo wir auf dem Weg unserer persönlichen Entwicklung sein sollen. Wir können immer nur offen bleiben, offen für den Moment und das, was zu tun ansteht. Jetzt und Hier.

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