Es klingt wie eine Prophezeiung, was ich im November 2011 mitten in der Eurozonen-Krise geschrieben habe, als Mario Monti in Italien als Ministerpräsident eingesetzt wurde. Mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse in Österreich wiederhole ich mich hier:

Wir sehen in verschiedenen europäischen Ländern Experten-Regierungen interimistisch die Zügel der Macht ergreifen. Es scheint wie die Dämmerung eines neuen „Zeitalters der Aufklärung“. Frustriert vom Missmanagement und von der Korruption der politischen Elite scheint es keine anderen Wege aus der Misere zu geben als die Machtübergabe an Menschen, die auf die rationale Vernunft ihrer Expertise vertrauen.

Dies scheint auch im wahrsten Sinne des Wortes „vernünftig“ – allein, emotionsentleertes Handeln ist nicht der wirkliche Ausdruck der „conditio humana“ und frustrations-induzierte Botschaften sind nicht die wirksamsten, um Menschen für eine gemeinsame Sache zu begeistern und ihr Bestes zu geben, um sie zu erreichen.

Die Wahrheit ist: WENN jemand mit einer starken Botschaft aufstehen würde, wie das derzeitige Chaos in eine Chance verwandelt werden könnte, die Menschen würden ihm/ihr folgen.

Sehen Sie sich Beispiele aus der Vergangenheit und Gegenwart an: seien es nun Moses oder Jesus Christus, Martin Luther King, Ghandi, oder auch Hitler, Bertha von Suttner, Aung San Suu Kyi,… Die Liste ist lang und die wahre Essenz all dieser Personen ist/war ihre TIEFSTE VERANKERUNG IN IHREN EIGENEN GLAUBENSSÄTZEN. Diese Verankerung – und nur sie allein – verlieh ihnen die Macht, Menschen zu bewegen. Diese tiefe emotionale Verbindung zu ihren eigenen Werten und Glaubenssätzen machte sie zu jenen charismatischen Führungspersonen, die das Gesicht der Welt veränderten, in der sie lebten – zu einem größeren oder kleineren Teil, und manchmal so sehr, dass die Welt nach ihnen nicht mehr so war wie die Welt vor ihnen.

Es wurde viel zum Thema „Charisma“ geschrieben und ich selbst habe meine Karriere mit dem „Charisma Konzept“ 1996 gestartet, aber was wirklich wichtig ist zu wissen, sind nur drei Dinge:

  1. Charisma als solches ist eine völlig neutrale Macht – nur das Individuum macht sie zu etwas Positiven oder zu etwas Negativem
  2. „lebendiges“ Charisma (im Gegensatz zu „kommunikativem“ oder „Instant-„Charisma, wie ich es nenne) ist in Werten und Glaubenssätzen verankert, die für die Person fundamental sind
  3. diese tiefe Verankerung verleiht die „Macht der Präsenz“, die eine Person unwiderstehlich macht – wie ein Magnet, der alle „Objekte“ von geringerer Kraft an sich zieht

JE GRÖSSER DIE GEFOLGSCHAFT, DESTO WENIGER MACHT HABEN RATIONALE ARGUMENTE

Und gerade im letzten Punkt liegt das Problem: Menschen mit starken Überzeugungen können andere an sich ziehen, und zwar nicht kraft der logischen Argumente, sondern allein durch die Macht ihrer Präsenz. Und je größer die Gefolgschaft, desto weniger Macht haben rationale Argumente. Die Menge energetisiert sich selbst durch mentale, rhythmische und physische Synchronisation und manchmal verliert sogar die Führungsperson selbst die Kontrolle über die Entwicklung.

Es ist daher ausschließlich eine Frage der an der Basis stehenden Überzeugungen, ob eine charismatische Führungsperson den Wandel zum Besseren oder zum Schlechteren einleiten wird. Aber eines ist sicher: sie oder er wird ihre/seine Welt IMMER verändern.

WAS WÜRDEN SIE MIT IHREM CHARISMA IN DIESER WELT TUN?

 

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