In meinen Seminaren unterstütze ich Menschen, die den Weg vom Image zum wahren Selbst finden wollen und rufe insbesondere Frauen dazu auf „sichtbar zu werden“. Dr. Angelica Pral-Haidbauer, Chefredakteurin des Magazins „Die Niederösterreicherin“ stellte mir dazu einige Fragen:

Charisma bedeutet ja soviel wie eine „Gnadengabe“, eine Gabe, die einem in die Wiege gelegt wurde. Ist Charisma auch lernbar?

Wir müssen zwischen zwei Arten von Charisma unterscheiden: zum einen gibt es das „kommunikative Charisma“, das wir z.B. bei Vortragenden erleben, die uns ganz in ihren Bann ziehen oder auch im Gespräch mit Menschen, die uns dabei ganz und gar von sich einnehmen. Dieses ist für jeden erlernbar und in jeder kommunikativen Situation kurzfristig einsetzbar. Davon unterscheidet sich das „gelebte Charisma“ (die oben angesprochene Gnadengabe), das jemand nur aus sich selbst heraus entwickeln kann. Dazu gibt es natürlich ebenfalls Methoden und Situationen, die dabei unterstützen, aber „lernen“ kann man diese Art von Charisma nicht. Sie ist in jedem bereits angelegt, benötigt jedoch bestimmte (und für jeden individuell verschiedene) Rahmenbedingungen, das richtige Umfeld (menschlich, geografisch, beruflich, gesellschaftlich,…), um wirksam zu werden. Gelebtes Charisma lässt sich unter den richtigen Rahmenbedingungen „nicht verhindern“ – es drängt förmlich aus der Person heraus, muss sich einfach manifestieren.

In unserer Medien- und Berufswelt macht man allzu oft Bekanntschaft mit pseudo-charismatischen Persönlichkeiten oder Bewegungen. Was zeichnet eine wirklich charismatische Persönlichkeit aus?

Eine charismatische Persönlichkeit erfüllt ihr Tun ganz und gar mit Leidenschaft und dieses Tun hat auch etwas Ausschließliches, ja sogar etwas „Getriebenes“ – d.h. charismatische Menschen sind getrieben von einer inneren Vorstellung dessen, was sie erschaffen wollen bzw. einer Vision davon, wie bestimmte Dinge sein sollten. Genau deshalb steckt in Charismatikern auch das größte Veränderungspotential. Sie inspirieren andere zu neuem Denken und Handeln durch die Vision, von der sie selbst erfüllt sind.

Sie erwähnen die Maus aus der kleinen Fabel von Franz Kafka (AdA: ganz egal, in welche Richtung sie läuft, sie läuft ins Verderben). Macht frau tatsächlich immer alles falsch, und wie kann sie sich aus dem Hamsterrat des ständigen Gefallen-Wollens befreien?

Frauen machen gar nichts falsch – sie haben nur sehr oft das Gefühl, alles falsch zu machen bzw. es jedem Recht machen zu müssen. Genau darin liegt der sprichwörtliche Hund begraben: Frauen sind (noch immer) darauf sozialisiert, sich anzupassen, schön und vor allem nett und zugewandt zu sein. Die Leidenschaft, auch die Rebellion und Andersartigkeit, die Charisma auszeichnen, die Ausschließlichkeit, die damit einhergeht, entsprechen nicht dem sozial bevorzugten Wesen einer Frau. Es braucht also Mut, um sich aus dem Hamsterrad des Gefallen-Wollens zu befreien. Es braucht den Mut, einerseits Grenzen zu ziehen und sich andererseits grenzenlos der eigenen Leidenschaft (Gnadengabe) hinzugeben. Charismatikern wird eine innere Kraft zugeschrieben – sie kommt aus dieser Art von Mut.

Warum brauchen Führungskräfte charismatische Fähigkeiten?

Studien haben gezeigt, dass es charismatischen Führungskräften gelingt, den Zusammenhalt ihrer Teams zu stärken, dass sich ihre Mitarbeiter durch höheren Einsatzwillen sowie stärkeres Engagement auszeichnen und sich vor allem eher auf Veränderungsprozesse einlassen. Charismatiker können ihre Vorstellungen so vermitteln, dass sie in anderen den Wunsch und Willen auslösen, dabei zu sein, mitzumachen, sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Die Kraft und Entschlossenheit, die sie vermitteln, erzeugt in den Menschen sogar in unsicheren Zeiten ein Gefühl von Sicherheit und eigener Kraft.

Sie schreiben, es sei Zeit sichtbar zu werden. Was meinen Sie damit?

Frauen sind in wirtschaftlichen, politischen und wesentlichen gesellschaftlichen Entscheidungspositionen immer noch unterrepräsentiert und wenn sie da sind, agieren sie immer noch in angepasster Form. Ich wünsche mir Frauen, die ihren innersten Wertvorstellungen und Visionen folgen, um diese Welt aktiv mitzugestalten – unangepasst. Ich wünsche mir Charismatikerinnen.

Welche Kommunikationsstrategien sind erlernbar?

Sämtliche verbalen, non-verbalen und para-verbalen (stimmlichen) Kommunikationsstrategien sind erlernbar – und zwar sowohl für das Reden vor großem Publikum als auch für das Zweiergespräch.

Sind Sie charismatisch?

Charisma ist zwar objektiv analysierbar aber nicht objektiv bewertbar und kann daher nur von anderen zugeschrieben werden. Wenn ich in meiner Leidenschaft als Trainerin und Entwicklerin bin, dann bekomme ich sehr häufig die Rückmeldung, charismatisch zu sein.

Laden Sie sich den Artikel herunter:charisma_Niederoesterreicherin_Juni 2014

Informieren Sie sich HIER über aktuelle Trainings zum Thema „Charisma“ und erfahren Sie Wissenswertes.

This post is also available in: Englisch