Eines der häufigsten Themen im Coaching betrifft die Gestaltung von Beziehung im Beruf. Nicht immer wird das Thema auch so genannt – oft geht es um eine der folgenden Fragen:

  • „Ich arbeite gerne effizient und fokussiert und habe keine Zeit für Getratsche. Aber ich habe das Gefühl, dass ich meine MitarbeiterInnen dadurch oft vor den Kopf stoße. Was mache ich?“
  • oder „Wie gehe ich als Führungskraft mit MitarbeiterInnen um, die mir persönlich nicht liegen bzw. zu denen ich schwer Zugang finde?“
  • oder „Meine Führungskraft agiert rein auf der sachlichen Ebene und spricht nie Anerkennung aus. ich bin ziemlich demotiviert. Was kann ich tun?“

Auch im Rede- und Präsentations-Training finden sich die größten Fallstricke genau im Spannungsfeld zwischen sachlichem Inhalt und Beziehungsaufbau zum Publikum. Die meisten Vortragenden glauben, dass nur Fakten zählen.

Aber da gehen wir leider am Wesen des Menschen vollkommen vorbei. Der Mensch ist – so gerne er das möchte – kein rationales , sondern ein „rationalisierendes“ Wesen: d.h. dass hauptsächlich gefühls- oder instinktmäßige Entscheidungen erst im Nachhinein rationalisiert werden. Wenn wir Menschen wirklich erreichen wollen – egal in welcher Rolle (ob als Führungskraft, Vortragende, etc.) – dann tun wir besser daran, ZUERST die Beziehung sicherzustellen und DANN die Sachthemen einzubringen. Nancy Duarte hat das in ihrem Buch „Resonate: Present Visual Stories that Transform Audiences“ mit einem sehr eindrücklichen Bild veranschaulicht:

Interview mit dem Unternehmensberater, Psychologen und Beziehungstherapeuten Dr. Maximilian Schallauer

Da die Gestaltung von Beziehungen so ein wichtiges Thema für meine Coachees ist, wollte ich dem Ganzen noch tiefer auf den Grund gehen und habe die Weihnachtszeit zu einer kleinen Reise nach Oberösterreich genutzt um dort einen langjährigen Kooperationspartner und Experten zum Thema „Beziehungen“ zu treffen und zum Interview zu bitten: Dr. Maximilian Schallauer, Unternehmensberater, Seminarleiter, Psychologe und Beziehungstherapeut.

Im Interview geht es um die oben gestellten und weitere Fragen. Als Follow-up gibt uns Max hier noch ein paar weitere Tipps:

Wirklich gute Beziehung

(von Dr. Maximilian Schallauer)
Im Wort „Be-ziehung“ steckt ja bereits, worum es dabei geht: Jeder bezieht etwas vom anderen, im Idealfall genau soviel und was man braucht. Je intensiver sich dieser gegenseitige Austausch darstellt, umso eher wird man das Gefühl haben, dass es sich um eine besonders gute Beziehung handelt. Wenn allerdings bestimmte Mindestanforderungen nicht erfüllt werden oder wenn man das Geben einseitig erlebt, beginnt man mit diesem Menschen unzufrieden zu werden. Es kommt natürlich darauf an, um welche Art von Beziehung es sich handelt. In einer Liebesbeziehung wird man sich gegenseitig „Liebesgaben“ zukommen lassen, z.B. Zärtlichkeit, Unterstützung, oder einfach genug gute Zeit miteinander. Liebesgaben würden in eine Geschäftsbeziehung allerdings gar nicht passen. Hier tauscht man beispielsweise Informationen aus, die für den anderen wichtig sind, oder liefert zeitgerecht die notwendigen Ergebnisse.

In jeder Form von Beziehung muss man sich aber darüber austauschen, was der andere von einem erwartet. Wir neigen sonst dazu, dem anderen einfach das zu geben, was man selber gerne hätte. Das muss aber gar nicht das sein, was für den Partner wichtig ist. Also fragen Sie ruhig einmal Ihre Mitarbeiter / Ihre Kollegen / Ihren Vorgesetzten / Ihre Liebesbeziehung: „Was wünscht Du dir / Was wünschen Sie sich … von mir?“

Mehr von Dr. Maximilian Schallauer erfahren Sie auf der Web-Page www.erfolgsarbeit.at, die den Angeboten für Unternehmen gewidmet ist oder www.beziehungsarbeit.at, die sich vor allem an Privatpersonen wendet, die ihre unterschiedlichsten Beziehungen verbessern möchten.