Seit 2020 hat sich die Format-Landschaft in Training und Weiterbildung sprunghaft erweitert. Wir sprechen von interaktiven Online-Trainings, On Demand Video-Seminaren UND von Hybrid-Training. Dieses letztere Format ist nicht nur ein Mix aus Präsenz und Online-Training, sondern eine ganz eigene Form, die auch einen ganz eigenen Methodenmix und eine Erweiterung der Trainer-Kompetenzen erfordert.

Weil viele große Unternehmen erkennen, dass dieses Format ein Teil ihrer Weiterbildungs-Zukunft sein wird, habe ich hier 7 + 1 Tipps zusammengestellt, die für ein gelingendes Training unbedingt berücksichtigt werden müssen:

Soziale Interaktion zwischen örtlich getrennten Gruppen

Die soziale Interaktion für alle Teilnehmenden zu ermöglichen, grenzt beim Hybrid-Format schon fast an Kunst. Die Seminargruppe ist hier nicht nur aufgrund ihrer Expertise, Erfahrung oder hierarchischen Positionierung inhomogen, sondern auch aufgrund ihrer Teilung in eine ONLINE – und eine OFFLINE-Gruppe.

  • Es reicht nicht, die Online-TeilnehmerInnen einfach zuzuschalten und die Vorgänge im Seminarraum wie auf einem TV-Schirm beobachten zu lassen.
  • Es reicht nicht, jede der beiden Gruppen wiederum räumlich getrennt in Kleingruppen arbeiten zu lassen – die Online-Gruppe in Breakout-Räumen, die Präsenzgruppe im Seminarraum.
  • Und manche Möglichkeiten, die online wunderbar für die aktive Teilnahme eingesetzt werden können, wie etwa der Chat oder das Whiteboard, können in diesem Format entweder gar nicht oder nur mit ganz bestimmten Ausnahmen eingesetzt werden

Warum? Weil ein Training immer auch von der Gruppendynamik lebt. Die Teilnehmenden lernen von einander und brauchen dazu das Gefühl, „in einem Boot“ zu sitzen, einander vertrauen zu können, in Verbindung zu sein. Nur dann kann sich jedeR öffnen und einlassen.

Um die soziale Interaktion zwischen örtlich getrennten Gruppen zu fördern, sind folgende Punkte zu berücksichtigen:

  1. Die Einigung, den Chat in der Online-Gruppe nicht zu nutzen.
    • Die Präsenz-Gruppe kann den Chat nicht lesen und fühlt sich daher automatisch ausgeschlossen.
  2. Die Präsenz-TN sind mit Smartphone oder Notebook ausgestattet
    • So können sie sich für Kleingruppenarbeiten mit den ausschließlichen Online-Teilnehmenden verbinden. Die Gruppen können also gemischt werden
  3. Die Online-TN haben analoges Material zur Verfügung
    • Zettel und Stift als Minimal-Ausstattung. Wenn das Seminar in eine größere Fortbildungsmaßnahme eingebettet ist, dann ist es überlegenswert, den Online-TN ein Seminarpaket zuzuschicken, in dem zB Moderationskarten und drei verschieden färbige Marker enthalten sind.
    • Eine Aufgabe könnte zB sein, die Essenz eines Themas in einem Wort oder einem Symbol auszudrücken. Alle TN beider Gruppen schreiben ihr jeweiliges Wort/ zeichnen ihr Symbol auf eine Moderationskarte und halten diese gleichzeitig in die jeweilige Kamera.
  4. Kamera-Setting
    • Ein Kamera-Setting, das alle TN der Präsenzgruppe erfasst UND gleichzeitig die Trainerin UND nach Bedarf das Flipchart, die Pinwand, etc. ist wesentlich.
    • Eine Webcam reicht daher nicht aus, es müssen zumindest zwei Video-Kameras eingesetzt werden.
  5. Audio-Setting
    • Sich ohne störende Nebengeräusche verstehen zu können ,ist im Online-Training bereits ein Muss, und beim Hybrid-Format eine noch größere Herausforderung.
    • Meine Versuche mit den unterschiedlichsten Mikro- oder Lautsprechervarianten haben eine eindeutige Gewinner-Lösung hervorgebracht: die Jabra-Freisprechsysteme bieten in Räumen von bis zu 50qm die beste Audio-Qualität. Der Vorteil ist dabei, jede Person im Raum kann hören, sprechen und sich gleichzeitig dabei bewegen.
    • Was immer gilt, ist die Gesprächsdisziplin – sowohl online als auch im Raum kann immer nur eine Person das Wort ergreifen.
  6. Bildschirm/ Beamer
    • für kleinere Räume bis zu 30qm kann auch ein großer Bildschirm ausreichen, um die Online-Gruppe in den Raum zu holen
    • der Einsatz eines Beamers ist jedoch immer von Vorteil, weil die Präsenz der Online-TN im Raum allein durch ein größeres Bild verstärkt wird.
  7. Virtuelle Hintergründe müssen einen deutlichen Kontrast zur Person bilden
    • durch den Abstand zum Bildschirm, wird es für die Trainerin oft schwierig, das Online-Handzeichen sofort zu erkennen. Noch schwieriger wird es, wenn bunte virtuelle Hintergründe gewählt werden, die zusätzlich ablenken.
    • Es ist daher essentiell, die Online-TN darauf hinzuweisen, eher einfärbige, ruhige Hintergründe zu wählen, von denen sie sich selbst gut abheben, von denen sich jedoch auch die „Reaktions- und Interaktions-Icons“ gut abheben, sodass sie rasch erkannt werden können.

Orientierung im Raum ermöglichen

Dies ist einer der weiteren Punkte, die das Hybrid-Training ganz grundsätzlich von Online und Präsenz unterscheiden. Sowohl im Online-Raum als auch im Präsenz-Raum können sich die TN ohne Problem in Relation zu ihrer Umgebung setzen.

    • Im Online-Raum ist die Welt zweidimensional, alles findet auf dem Bildschirm statt.
    • Im Präsenz-Raum wiederum können sich die TN durch all ihre Sinne schnell orientieren.
    • Im Hybrid-Raum jedoch ist es den Online-TN unmöglich zu wissen, WO sie sich in Bezug auf ihre Offline-Umgebung befinden (außer sie kennen den Seminarraum).

Das Urbedürfnis sich zu orientieren, das bedeutet „anzukommen“, sich „sicher zu fühlen“, ist so groß, dass die TN meist so sehr damit beschäftigt sind, dass sie den Beginn des Trainings und so manch wichtige Information einfach nicht wahrnehmen. Diese leidvolle Erfahrung habe ich  ein einziges Mal gemacht und sie war eine der wichtigsten Erkenntnisse im Bezug auf das Hybrid-Format.

Es ist daher notwendig, sich zu Beginn des Trainings die Zeit zu nehmen, um den Online-Teilnehmern mithilfe der Kamera(s) zu zeigen, wo und wie sie sich im Raum und in Bezug auf die Präsenz-Gruppe befinden.

Wofür bietet sich das Hybrid-Format an?

Aus den bisherigen Ausführungen wird deutlich, dass das Hybrid-Format nicht nur technische Voraussetzungen hat, sondern vor allem dem Trainer/ der Trainerin noch einmal mehr Wendigkeit – sowohl im Umgang mit inhomogenen Gruppen als auch mit der notwendigen Technik – und eine enorme Umsicht und Aufmerksamkeit abverlangt, um alle TN gleichermaßen einzubeziehen.

Ich identifiziere daher zwei Bereiche, in denen Hybrid gut eingesetzt werden kann:

  1. wenn ein „normales“ Präsenztraining nicht möglich ist, es inhaltlich Sinn aber macht, dass TN direkt miteinander agieren können – also zB für Rollenspiele, die dann auch für die Online-TN als Lernbeispiele dienen. Sehr oft können auch in Präsenz nicht alle TN ein Rollenspiel selbst durchführen, sondern nehmen die Rolle der BeobachterInnen und Feedback-GeberInnen ein. Für bestimmte Themen – z.B. alles, was Kommunikation betrifft – findet Lernen aber effektiver statt, wenn man auch die Möglichkeit hat, die GANZE Interaktion beobachten und analysieren zu können und nicht nur einen Teilbereich (wie etwa Online)
  2. wenn es für ein Thema sowohl das Präsenz-Format als auch das Online-Format gibt und das Online-Format aufgrund von zu geringer TN-Zahl nicht stattfinden könnte. Dann könnten die Online-Interessierten in dieser Form am Präsenztraining teilnehmen

UND ich sehe für mich ganz persönlich einen weiteren Grund:

es macht einfach Spaß, den eigenen Spielraum (im wahrsten Sinne des Wortes) zu erweitern.

Es macht Spaß, sich mit neuer Technik, mit neuen Methoden und mit den neuen Möglichkeiten der virtuellen Welt auseinander-zu-setzen und sie richtig ein-zu-setzen.

Wenn Sie Lust haben, sich persönlich mit mir über die Möglichkeiten von Hybrid auszutauschen oder auch mehr über die Technik zu erfahren, freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme per Telefon oder email!

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