Auf dem mit mehr als 500 Besuchern aus dem DACH Raum größten österreichischem IT-Treffpunkt, dem Confare CIO Summit , werde ich 2019 die Teilnehmer bei meiner Keynote “Wirken und Bewegen – So werden Sie zum Influencer der Transformation. inspirieren. In meinem Blog Beitrag verrate ich, was charismatische Führungskräfte auszeichnet und was man davon lernen kann. 

5 Eigenschaften charismatischer Führungskräfte…

…und was Sie davon lernen können

 

„In der Informatik geht es genauso wenig um Computer, wie in der Astronomie um Teleskope.“

Edsger W. Dijkstra

 

Der Systemtheoretiker, Programmierer und Software-Ingenieur Edsger W. Dijkstra gehörte recht wahrscheinlich zu den charismatischen Figuren im Bereich der Computerwissenschaften. Das Zitat ist einerseits eine Erklärung für seinen weitreichenden Einfluss auf die Entwicklung seiner Branche und andererseits eine Metapher für die erste Eigenschaft einer charismatischen Führungskraft:

 

I. Charismatische Führungskräfte sehen das große Ganze. Sie haben eine Vision.

Viele Menschen verwechseln das Werkzeug mit dem Zweck. Das sind in der IT dann diejenigen, die das System perfekt am Laufen halten. Und das ist wichtig und gut so. Aber es ist nicht charismatisch.

Die Frage für Führungskräfte, die sich in Charisma üben wollen, lautet also:

„Was ist der übergeordnete Zweck meines Handelns?“

 

Die Antwort verweist auf die Vision, die es nun gilt, für andere relevant zu machen. Und damit sind wir bei der zweiten Eigenschaft einer charismatischen Führungskraft:

 

II. Charismatische Führungskräfte sind Sinnstifter

Es nützt nämlich rein gar nichts, wenn Sie durch Ihr Führungshandeln Ihre eigene Vision erfüllen. Ja, es gibt kaum etwas Uncharismatischeres als Menschen, die nur ihr eigenes Ziel vor Augen haben. Charismatische Führungskräfte wissen hingegen, was ihre Mitarbeiter brauchen, um sich Teil des großen Ganzen, der Vision zu fühlen.

Sie beantworten die Frage:

„Warum bist gerade DU in meinem Team?“

 

Und die Antwort darauf ist die Basis der besonderen „charismatischen Verbindung“, die es zwischen allen Charismatikern und ihren Anhängern gibt. Diese Verbindung reicht über den reinen Arbeitsinhalt hinaus. Sie stiftet in jedem einzelnen Teammitglied SINN, macht ihm bewusst, dass sein Handeln SINNVOLL ist – dass er GEBRAUCHT wird.

Und wenn der Mensch eines braucht, um sich für irgendetwas wirklich zu engagieren, dann ist es das Gefühl – und auch die Bestätigung – wichtig zu sein. Dieses Gefühl suchen wir Menschen von Anbeginn unseres Lebens und niemand legt das Bedürfnis danach jemals ab.

Charismatische Führungskräfte erfüllen dieses Bedürfnis. Und damit kommen wir zur 3. Eigenschaft. Denn eine Vision zu haben und zu wissen, dass andere wichtig sind, genügt noch nicht. Beides muss auch kommuniziert werden und zwar so, dass es verstanden wird:

 

III. Charismatische Führungskräfte holen Menschen dort ab, wo sie stehen

  • Sie wissen ihre Vision in klaren Bildern auszudrücken.
  • Sie sprechen sowohl den Verstand als auch das Gefühl ihrer Gesprächspartner oder ihres Publikums an
  • Sie vermitteln ihre Botschaft nicht nur verbal, sondern auch durch den Körper
  • Sie haben keine Angst vor direktem Blickkontakt – ganz im Gegenteil, er ist ihnen wichtig
  • Sie haben eine ausgeprägte Beobachtungsgabe, mithilfe derer sie die unbewussten Signale anderer entschlüsseln, um dann adäquat auf diese zu reagieren
  • Sie sprechen eine klare, unmissverständliche Sprache
  • Sie kennen und nutzen die Magie von Rhythmus durch Stimme und Sprache

… um nur einige der Elemente von Kommunikation zu erwähnen, die im besten Falle (!) charismatisch sein kann. (Es geht bei Charisma eben nicht nur um Kommunikation – es geht auch und noch viel mehr um die anderen hier erwähnten 4 Eigenschaften)

 

Ganz nach dem Motto Sainte-Exupery’s also, der da sagte: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Werkzeuge vorzubereiten oder die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben – sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer.“?

Nicht ganz. Denn die vierte Eigenschaft lautet:

 

IV. Charismatische Führungskräfte geben jedem seinen genauen Platz

Das hat etwas mit der Eigenschaft Nr. 2 zu tun, ist aber vor allem auch in der Umsetzung der Vision von essentieller Bedeutung: es reicht eben nicht, wenn jeder im Team die Vision kennt und jedem das Gefühl gegeben wird, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Es muss auch klar sein, wie die Umsetzung zu geschehen hat. Die erfolgreichsten Charismatiker – Steve Jobs, Martin Luther King und Barack Obama, um nur drei von vielen zu nennen – strukturierten die Arbeit ihrer Teams, ihrer Anhänger, auf’s Genaueste.

Die Geschichte, dass jeder schon selbst weiß, was er zu tun hat, wenn er nur endlich von der Vision (im wahrsten Sinne des Wortes) „begeistert“ wäre, ist eine schöne Mär. Fakt ist, dass der Erfolg charismatischer Visionen von der Präzision ihrer Umsetzung abhängt.

Die Voraussetzung, um diese Eigenschaft tatsächlich ausspielen zu können, sind alle vorher genannten Eigenschaften. Die fünfte Eigenschaft ist das Tüpfelchen auf dem i, das allerdings den großen Unterschied von charismatischer Führung macht:

 

V. Charismatische Führungskräfte nützen die Magie von Ritualen

Rituale können dabei so etwas Einfaches sein wie Logos, mit denen Mitarbeiter bei unterschiedlichsten Handlungen konfrontiert werden. Das Zeichen selbst wird zur Botschaft. Dieses Ritual ist praktisch in allen Unternehmen bekannt und angewandt (auch ohne sich seiner tieferen psychologischen Wirkung bewusst zu sein).

Wirklich charismatische Führungskräfte allerdings führen Team- und 1:1 – Rituale für wesentliche Momente ein: Erfolge, Misserfolge, Wochenbeginn, Wochenabschluss, persönliche Feiertage, etc.

In einer der größten globalen Organisationen gibt es zum Beispiel das Ritual des „Team Huddle“: es besteht darin, dass das Kernteam immer vor unternehmensweiten Neuerungen über genau diese informiert wird. Bevor es also alle anderen wissen, werden die ins Vertrauen gezogen, die diesem spezifischen Team angehören. Es gibt einen Namen für dieses Ritual („Team Huddle“) – und es gibt einen spezifischen Inhalt (= „Wissen, bevor es alle anderen wissen“).

  • Was es schafft, ist Vertrauen.
  • Was es stärkt, ist Zusammengehörigkeitsgefühl.
  • Was es bewirkt, ist individuelle Bestätigung.

Was Sie sofort tun können:

Jede Entwicklung beginnt mit der Bewusst-Werdung einer spezifischen Notwendigkeit, Sie können es auch „Assessment“ nennen. Wie gut sind die jeweiligen Eigenschaften bei Ihnen ausgeprägt?

Fragen Sie sich:

  1. Was ist der übergeordnete Zweck Ihres Führungshandelns? (Bestimmte Zahlen zu erreichen, ist nicht übergeordnet)
  2. Wissen Sie von jedem einzelnen Team-Mitglied was er/sie am besten kann? Wenn nein – finden Sie es heraus. Wenn ja, fragen Sie sich, ob er/sie ihr Können auch tatsächlich für das übergeordnete Ziel (die Vision) einsetzen kann?
  3. Können Sie Ihre Vision mit einfachen Worten und trotzdem emotional wahrnehmbar kommunizieren? (um nur die erste aller Fragen zur Kommunikation zu nennen)
  4. Nehmen Sie die unbewussten (körperlichen) Signale ihres Gegenübers wahr und können Sie auf diese adäquat reagieren?
  5. Hat jeder seinen eindeutigen Platz im Team?
  6. Haben Sie Rituale? Welche?

Und wenn Sie dieses – kurze – Assessment gemacht haben, könnte es sehr gut sein, dass Sie erkennen, dass Edsger W. Dijkstra Recht hatte, als er sagte:

„Sich selbst zu perfektionieren bedeutet ebensosehr zu verlernen wie zu lernen.“

 

 

 

 

 

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